Geschenkeflut vermeiden

Ich hoffe, ihr hattet schöne Osterfeiertage. Die Feiertage sind nun vorbei und irgendwie haben wir wieder mehr Spielzeug für die Kinder. Ich selbst und mein Mann haben gar nichts gekauft. Nicht einmal Schokolade, wohlwissend, dass schon genug von meinen Eltern und meinen Großeltern geschenkt wird.

Passend zum Anlass, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie man so eine Geschenkeflut vermeiden bzw. bündeln kann. Ich bin kein Fan von gar keinen Geschenken für die Kinder. Auch ich erfreue mich daran, wenn ich ihre Freude über neue Dinge sehe. Trotzdem muss es nicht immer massig sein. Auch alle möglichen Kleinigkeiten, die sich dann auch zu einem hohen Berg ansammeln, sind mir ein Dorn im Auge. Dieser Beitrag passt sehr gut zur Reihe „Weniger ist mehr im Kinderzimmer“ vom Fräulein im Glück.

Ihr kennt das Problem sicher auch? Nach Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern sowie an den Geburtstagen der Kinder gibt es einen Haufen Geschenke unterzubringen. Oftmals quetscht man es noch in die Kisten oder kauft manchmal sogar noch ein neues Regal. Am Anfang spielen die Kinder häufig mit den neuen Sachen, danach gehen sie in dem ganzen restlichen Spielzeug unter. Wie kann man so etwas vermeiden?

Geschenkeflut regulieren

  • 4-Geschenke-Regel: Want, Need, Wear, Read.Wo genau ich es zum ersten Mal gelesen habe, weiß ich nicht mehr. Aber es ist eine tolle Regel für Eltern.. Das Kind bekommt einen Herzenswunsch (meist Spielzeug) erfüllt, eine Sache, die es dringend braucht (z.B. eine Sporttasche), etwas zum Anziehen und etwas zum Lesen. Das reicht auch völlig.
  • Kindergeburtstag erst ab 3 Jahren. Für Kinder unter 3 Jahren ist es  einfach zu viel, eine große Feier zu veranstalten. Sie sind oft mit den vielen Leuten und der ganzen Aufmerksamkeit überfordert. Familie willkommen, aber man sollte es im kleinen Kreis belassen. Für später ist eine gute Regel, höchstens so viele Kinder einladen, wie alt das eigene Kind wird. Vorteil: Es bekommt dann auch weniger Geschenke.
  • Geschenkeliste für die Gäste. Entweder vom Kind oder zusammen mit den Eltern erstellt. So garantiert man, dass es Geschenke gibt, die das Kind auch mag. Und wenig dabei ist, was dann hinterher nicht bespielt wird.
  • 1 Geschenk pro Gast. Simple Regel, aber so vermeidet man, dass an dem Riesenbagger noch ein Plüschtier hängt. Von Letzterem bekommt man im Laufe der Jahre einfach Unmengen.
  • Verbrauchbare Geschenke. Gerade für Besuche zwischendurch oder auch für kleine Anlässe wie Ostern und Kindertag kann man die Regel einführen, dass nur Geschenke mitgebracht werden dürfen, die verbraucht werden können. Materialien zum Malen wie Bunt- und Wachsstifte, weiße Blöcke und Malbücher, Pinsel und Farbe oder Straßenkreide. Bastelzubehör wie Klebstoff, Buntpapier, Stempel oder Sticker. Etwas zum Modellieren wie Knetmasse, Schnitzholz oder Ton. Oder andere Dinge zum kreativ sein Bänder oder Perlen. Das Kind kann damit Spaß haben und es nimmt im Laufe der Zeit immer weniger Platz weg, da es sich aufbraucht.
  • Erlebnisgeschenke. Kino, Klettern, Erlebnisbad, Töpfern, Reiten, Freizeitpark, Zoobesuch, Indoorspielplatz, Fotografiekurs. Nur einige Beispiele. Kinder freuen sich riesig über solche Geschenke. Klar, man hat nichts Materielles, was man dem Kind am Ehrentag überreichen kann. Aber es wird die Zeit beim Erlebnisgeschenk nicht vergessen. Vorteil in jedem Fall: Es kommt kein neues Zeug ins Haus.
  • Gratisgeschenke ablehnen. Ein Plüschtier beim Kauf eines Paar Schuhes, eine Figur aus dem Ü-Ei oder dem FastFood-Menü. Bei Kindern gern gesehen, jedoch ist die Freude von kurzer Lebensdauer. Ablehnen ist der erste Schritt. Regel für ältere Kinder: Wenn sie das Gratisgeschenk gern mit nach Hause nehmen wollen, müssen sie dann ein Spielzeug oder eine Figur von einem vorherigen Mal abgeben. Die Kinder werden es sich ernsthaft überlegen, ob sie das Gratisgeschenk wirklich wollen.

Wichtig ist, konsequent mit den Gästen zu sein. Insbesondere Omas oder in unserem Fall auch die Uroma geht es zu überzeugen. Aber nach einiger Zeit, wird das von allein laufen bzw. werden sie Rücksprache mit den Eltern treffen.

Vorhandenes Spielzeug in Schach halten

Irgendwann haben die meisten Kinder schon genug Spielzeug. Meine besitzen jetzt schon viel. Und sie wachsen ja auch aus Spielzeug raus. Und statt durch Kauf von neuen Kisten und Schränke sollte man Platz für Neues durch Weggabe von Altem schaffen. (Falls noch Geschwisterkinder geplant oder bereits vorhanden sind, können die Besten auch aufgehoben und verstaut werden).

  • Altergerechtes Spielzeug darf bleiben. Spielzeug, aus dem die Kinder schon rausgewachsen sind, müssen nicht im Kinderzimmer bleiben. Regelmäßiges Aussortieren hilft. Insbesondere bei kleinen Kindern. Dort nimmt man es am besten noch selbst in die Hand. Und wer Angst hat, ein geliebtes Spielzeug einfach wegzunehmen, packt es zunächst nur weg und wartet einen Monat. Wenn das Kind es bis dahin nicht vermisst hat, dann braucht es es nicht wirklich.
  • Eins-Rein-Eins-Raus-Regel. Ab einem bestimmten Alter können die Kinder verstehen, dass für eine neues Spielzeug ein altes gehen muss. Und es werden sich bestimmt einige Sachen finden, für die sie sich nicht mehr interessieren oder die eventuell auch schon kaputt sind.
  • Spielzeug spenden. Mit älteren Kindern kann man vor Weihnachten und Geburtstagen eine Tradition anfangen. Spielzeug aussortieren, um Platz zu für spätere Geschenke zu schaffen. Das was nicht mehr gewünscht wird, kann dann Kinderheimen oder Hilfsorganisationen spenden. So lernen Kinder auch, dass es einigen Kindern viel schlechter geht als ihnen.
  • Eigenes Spielzeug als Geschenk. Gerade wenn man in der Familie oder im Freundeskreis jüngere Kinder hat, dann können die eigenen älteren Kinder ihre nicht mehr altersgerechten Spielsachen verschenken. Sie schenken somit etwas Eigenes. Und meist sind sie sogar stolz, dass damit weiter gespielt wird. Kenn ich aus eigener Erfahrung, denn unsere Kinder erhalten oft von den Kindern meiner Cousine Geschenke. Vorteil für die Eltern der gebenen Kinder: Kein Geld für Geschenk ausgegeben und Spielzeug reduziert. Und irgendwann ist auch das empfangende Kind soweit und kann Spielzeug weggeben.
  • Altes Spielzeug verkaufen. Kinder, die etwas aussortieren, können ihre Sachen auch verkaufen, um sich danach eigene Wünsche zu erfüllen. So kann man Kindern, den Umgang mit Geld beibringen und gleichzeitig die Ausmaße im Kinderzimmer in Schach halten.

Und nicht vergessen: Das größte Geschenk ist die Anwesenheit und Aufmerksamkeit der Eltern oder der Gäste. Gemeinsames Spielen und das Eingehen auf das Kind ist unbezahlbar und macht es glücklich. Dazu passt ganz gut die Nivea-Werbung vom letzten Weihnachten.

P.S.: Ich gehe jetzt nicht auf die Diskussion ein, dass es in dem Clip keinen Papa gibt. Das ist eine andere Geschichte.

Wie haltet ihr die Geschenkeflut in Schach? Habt ihr noch ein paar Tipps?

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6 Gedanken zu “Geschenkeflut vermeiden

  1. Hallo!

    Ein sehr schöner Beitrag, schade, dass ich ihn nicht vor 19 Jahren schon gelesen habe. Heute würde ich ganz viel anders machen!

    Was mir heute besonders wichtig wäre „Klasse statt Masse“ Lieber ein teures als 5 kleine Geschenke. Mehr Geschenke, die die Kreativität und das Spielen anregen und weniger Spielsachen „zum Anschauen“.

    Bei uns gab es immer wieder „Sammelgeschenke“ wenn die Wünsche sehr groß waren, habe ich alle zusammen getrommelt und ein großes Geschenk von allen gemeinsam gekauft z.B. die Ritterburg oder das Puppenhaus.

    lg
    Maria

  2. Danke für die vielen guten Tipps! Das schwierigste ist es meiner Meinung nach, die eigene Familie und Bekannten dazu zu bringen, das mitzumachen! Kann ja auch missverstanden werden („Das arme Kind!“)
    Liebe Grüsse,
    Marlene

  3. Bei uns wanderte das nicht mehr altersgemässe Spielzeug in den Keller und wurde in Kisten verstaut. Als die Kinder älter wurden, war guter Rat teuer: Spielzeug ist viel schneller im als wieder aus dem Haus!
    Ich habe einen Grossteil versteigert, weil es mir unmöglich war, die schönen Dinge einfach wegzuwerfen. Nur die Dinge, mit denen wichtige Momente, Emotionen und Geschichten verknüpft sind, habe ich behalten.
    Das hat mich ein gutes halbes Jahr beschäftigt: die Gegenstände fotografieren, beschreiben, online einstellen, für den Versand vorbereiten, die Zahlungseingänge zu checken, die Ware zu wiegen, zu verpacken und die Pakete auf die Post zu bringen.
    In dieser Zeit fühlte ich mich sehr, sehr gestresst. Ich war unruhig, unleidlich, nervös und habe mich mit dieser Aktivität sehr allein gefühlt. Die Kinder haben die Spielzeuge nicht mehr interessiert und für meine bessere Hälfte hatte es eine niedrigere Priorität.
    Heute bin ich dennoch sicher, dass das Signalwirkung auf meine Jungs hatte. Ich bin auch überzeugt, dass sie sich später an diese Aktion erinnern werden, wenn sie selber in der Situation sind. Sie machen heute schon Dinge, die ich ihnen vorgelebt habe, z.B. Kundenbriefe oder -mails schreiben, wenn etwas irreparabel ist, Ihr Recht als Konsumenten einfordern usw. Deshalb ist das Vorbild wichtig, auch wenn man sich manchmal dazu regelrecht treten muss.
    Dieses arbeitsintensive Erlebnis hat mich auch gelehrt, wie viel einfacher es ist, etwas zu kaufen, als es wieder loszuwerden. Vorausgesetzt, man will es nicht wegwerfen und damit der Konsumgesellschaft Genüge tun.
    Tauschbörsen gab es damals noch nicht und die Kleinkinderbörsen sind inzwischen sowas von wählerisch geworden, dass sie 90% der noch guten Dinge eh nicht mehr nehmen…
    Es gab während dieser Zeit aber auch schöne Momente, v.a. wenn Menschen, die in der Nähe lebten, die Sachen abholten. Es waren viele Kindergärtnerinnen darunter oder Lehrer / Lehrerinnen, die die Spielsachen gut brauchen und sich gefreut haben.
    Für mich hat es sich gelohnt, das Gefühl, das die Spielsachen noch jemandem Freude bringen konnten!
    Und seit dieser Aktion prüfe ich dreimal, ob ich einen Gegenstand wirklich brauche, bevor ich ihn kaufe! Bei schönen Dingen, die meinem Auge gefallen, mache ich oft einfach ein Foto und sehe es mir dann öfters mal an, das ist auch schön!
    So, das war wohl der längste Kommentar, den ich je geschrieben habe.
    Danke für diesen tollen Beitrag und das zauberhafte Video!
    Viele Grüsse, Cornelia

  4. Genau so machen wir das auch. 🙂 Und die Familie (Omas, Opas etc.) ist inzwischen einverstanden, nach etwas Überzeugungsarbeit und immer wieder ausgeschriebenen Wunschlisten. Keine ungefragten Geschenke, kein Plastikspielsachen, keine Klamotten mit Polyester etc. Jetzt muss ich sie nur noch dazu bekommen „Zeit“ zu schenken, aber das bekommen wir auch noch hin.

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